Event-Reihe „Stiften erlebbar machen“
Echte Stiftungsluft schnuppern
Ein besonderer Rahmen für ein besonderes Thema: Im zukünftigen Deutschen Hafenmuseum versammelten sich mehr als 90 Gäste, um sich mit dem Thema Stiften vertraut zu machen. Eingeladen hatte die Haspa Hamburg Stiftung.
Beim Betreten des Schuppens 50A im Hansahafen geht’s vorbei an schweren Eisenfässern, an Schiffsmodellen, die in verstaubten Vitrinen glitzern, an Kutschenwagen, die hoch oben auf den Regalen lagern. Den Besuchern präsentiert sich ein stolzes Sammelsurium an ehemaligen Frachtgütern – Ledertaschen, mechanische Nähmaschinen, Holz-Kinderwagen. Der historische Ort erzählt von der harten Arbeit im Hafen und von den großen Träumen aus einer Zeit, als Hamburg sich vor allem über den Handel auf den Weltmeeren definierte.
Der Schuppen 50A ist aber auch ein Ort, der die Vergangenheit mit der Zukunft der Hansestadt verbindet. Denn hier entsteht bis 2029 das Deutsche Hafenmuseum. Und hierhin lud die Haspa Hamburg Stiftung anlässlich der Hamburger Stiftungstage am 26. Juni 2025 interessierte Menschen ein, um ihnen das Thema Stiften näherzubringen. „Eine solche Kulisse hat es bei unserer Event-Reihe ,Stiften erlebbar machenʻ noch nie gegeben“, sagt Stefanie Schuldt, Vorständin der Haspa Hamburg Stiftung. Die beliebte Infoveranstaltung findet zwischen Säcken voller Kaffeebohnen, rostigen Ölfässern und dem Geruch maritimer Geschichte statt – „etwas ganz Besonderes“, so Schuldt.
Menschen fürs Stiften begeistern
Doch warum dieses Event, das sich nicht etwa an die eigenen Stifter richtet? „Mit dieser Veranstaltungsreihe, die wir vor einigen Jahren ins Leben riefen, möchten wir gezielt Menschen ansprechen, die sich in Sachen Stiftungsarbeit noch nicht auskennen“, erklärt Schuldt. Als die Gäste auf den Stühlen zwischen dem Frachtgut Platz nehmen, begrüßt Vorstand Marcus Buschka sie mit den Worten: „Wir wollen zeigen, dass Stiften nicht trocken und sperrig ist, sondern ein spannender,
kreativer und nachhaltiger Weg, um Gutes zu tun.“
An diesem Nachmittag stehen zwei Vorträge im Fokus: Andreas Stockdreher, Anlage- und Vorsorge-Experte der Hamburger Sparkasse, klärt über die wichtigen Themen Erben und Vererben auf. Zu Beginn erwähnt er gleich den „Notfall-koffer“, den jeder gepackt haben sollte.
Darin: Testament, Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung. Er überrascht das Publikum mit erstaunlichen Fakten: Lediglich 29 Prozent der Deutschen hätten ein Testament, laut Schätzungen seien davon nur drei Prozent korrekt aufgesetzt. Dabei wünschten sich 82 Prozent der Menschen, klare Verhältnisse zu hinterlassen. Tatsächlich gerate jedoch jeder fünfte Erbfall zum Streitfall. „Niemand denkt gerne ans Sterben“, sagt Stefanie Schuldt, „aber unsere Erfahrung zeigt, dass es eine enorme Erleichterung ist, wenn Menschen alles geregelt haben.“
„Um den Rest kümmern wir uns“
Von Stiftungsfonds bis zur Treuhandstiftung: Im anschließenden Vortrag erläutert Marcus Buschka die verschiedenen Stiftungsarten, die bei der Stiftungsgründung möglich sind. 400 Stiftungen seien inzwischen unter dem Dach der Haspa Hamburg Stiftung versammelt, so Buschka. Sie alle könnten sich ganz da-rauf konzentrieren, Gutes zu tun, „denn um den Rest kümmern wir uns“, unterstreicht Buschka. Also Dinge wie Buchhaltung, Steuererklärung oder Vorstandssitzungen.
Ein Grund, warum der Co-Gastgeber der Veranstaltung, der Verein Freunde der Viermastbark Peking, 2024 eine gleichnamige Stiftung unter dem Dach der Haspa Hamburg Stiftung gründete. „Wir wurden durch den gesamten Gründungsprozess einer Treuhandstiftung bestens beraten und begleitet“, sagt Andreas Knappe, Stiftungs- und Vereinsvorstand Finanzen. „Vertrauensvoll, kompetent – und kostenlos. Es ist immer jemand erreichbar“, so Knappe.
Das Schiff Peking, 1911 gebaut von der Hamburger Reederei F. Laeisz, bleibt dank des Engagements der Stiftung der Nachwelt erhalten (siehe auch Seite 20).
Zudem ist es das Herzstück des zukünftigen Deutschen Hafenmuseums. Stifter Andreas Knappe erklärt: „Unsere Stiftung ist auf Ewigkeit ausgelegt. So stellen wir sicher, dass die Peking dank aufwendiger Restaurierungsarbeiten auch in 50 Jahren noch in einem guten Zustand sein wird.“
Wissen durch Erleben
Davon können sich die Besucher bei der abschließenden Führung übers Schiff selbst überzeugen. „Wir wollen das Thema Stiften auf eine Weise transportieren, die interessiert, bewegt und motiviert“, resümiert Stefanie Schuldt. Das ist gelungen! Bei der Veranstaltung im Schuppen 50A knüpften viele Menschen erste Kontakte. Und sie gewannen vor historischer Hafenkulisse ein neues Verständnis dafür, was es heißt, bleibende Werte zu schaffen und zu hinterlassen.