Zurück im Heimathafen
Ein Motiv, aber zwei Szenen aus verschiedenen Zeiten. Schauen wir rechts etwa auf die Tanzfläche eines loftartigen Klubs? Alles schick und mit hochwertigen Materialien veredelt. Und wohin beamt es uns in der linken Bildhälfte zurück? Zu einem Lost Place mit magischer Anziehungskraft? Zeuge einer vergangenen Zeit? „Das sind 1.000 Tonnen überflüssiger Betonballast“, erklärt Andreas Knappe nüchtern. Knappe ist Vorstand des Vereins Freunde der Viermastbark PEKING und dort für die Finanzen zuständig. Und ja, wir linsen rechtsseitig in den Schiffsrumpf der 115 Meter langen Peking hinein und schauen auf den großen Laderaum.
Das Bild dokumentiert die Entrümpelung und Restaurierung des Schiffes von 2017 bis 2020, als die Peking in der Peters-Werft in Wewelsfleth an der Stör fein gemacht wurde. Dank einer Finanzspritze aus dem Bundeshaushalt von rund 38 Millionen Euro wurde aus dem dahinsiechenden Frachtsegler wieder ein stattlicher Windjammer.
Von New York zurück nach Hamburg
Die Peking, 1911 in Hamburg erbaut, war einer der legendären „Flying P-Liner“. Ein Großsegler auf der Salpeterroute zwischen Europa und Chile, einer der schnellsten Frachtsegler seiner Zeit. Bereits 1932 still-gelegt, fand sie sich Jahrzehnte später als heruntergekommenes Museumsschiff in New York wieder – fast vergessen. „Ohne uns wäre sie nicht mehr hier“, erzählt Mathias Kahl, Vorsitzender des Vereins, dessen Mitglieder über 13 Jahre lang für die Rückholung des Schiffes kämpften. Mit politischer Unterstützung und großem persönlichem Einsatz gelang der spektakuläre Rücktransport per Dockschiff nach Brunsbüttel. Nach dreijähriger Restaurierung liegt die Peking wieder in ihrem Heimathafen Hamburg. Sie ist das Leitobjekt des zukünftigen Deutschen Hafenmuseums, das gerade erbaut wird.
Die Vereinsmitglieder führen heute stolz über das alte Schiff im neuen Kleid und lassen anekdotenreich in seine Vergangenheit blicken. Dank der 2024 gegründeten Stiftung Freunde der Viermastbark PEKING kommen Stück für Stück weitere Accessoires hinzu. So das Kapitänssofa auf dem Brückendeck, der nachgebaute Kartentisch oder der Original-Anker des Schwesternschiffes Pamir auf der Steuerbordseite. Jedes Stück für sich erzählt von der Geschichte eines Schiffes, das für die Ewigkeit bestimmt ist.