Brigitte Spieler Stiftung & Detmar und Wilma Reinecke Stiftung
Weil Stiften Herzenssache ist
Zwei Stiftungen – die eine langjährig, die andere neu. Beide Stifter eint der Wunsch, sich in Gedenken an ihre Eltern für andere Menschen einzusetzen.
Gegründet 2005
Brigitte Spieler Stiftung
Dachte Brigitte Spieler das erste Mal daran, eine Stiftung für schwer erkrankte Kinder zu gründen, als bei ihr selbst mit Mitte vierzig Krebs diagnostiziert wurde? Oder erst viele Jahre später, als sich ihre Gesundheit erneut verschlechterte? Ihre Tochter Imke Mahn weiß es nicht. „Wir waren so eng miteinander, dass sie mich vor jedem Bridgeturnier anrief, um zu fragen, was sie anziehen soll. Vielleicht ist das der Grund, warum ich nicht genau sagen kann, wann der Gedanke an eine Stiftung erstmals bei ihr aufkam“, erzählt Mahn nachdenklich.
Sicher ist: Für andere da zu sein war für die in Ostpreußen geborene Brigitte Spieler, die mit zwei Geschwistern in Hamburg aufwuchs, ihr ganzes Leben lang selbstverständlich. Sie kümmerte sich um ältere Damen, die allein lebten, und spendete regelmäßig an wohltätige Organisationen. „Sie war ein sehr sozialer Mensch und hat meinen Brüdern und mir vermittelt, wie wichtig es ist, nicht nur an sich zu denken“, sagt Rechtsanwältin Mahn, die ihre Mutter als bodenständig beschreibt. „Sie liebte lange Fahrradtouren, Statussymbole bedeuteten ihr nichts.“
Seit 20 Jahren dabei
2005 wurde Brigitte Spieler in ihrer Haspa-Filiale in Hamburg-Rissen auf die damals neu gegründete Haspa Hamburg Stiftung aufmerksam. Die Idee, unter ihrem Dach eine eigene Treuhandstiftung zu gründen, gefiel ihr gut. Gemeinsam mit ihrem Steuerberater machte sie sich kurzerhand ans Werk. Als Kapital setzte Brigitte Spieler einen Anteil aus dem Erbe ihres verstorbenen Vaters ein. Der erfolgreiche Architekt war mit Bauprojekten unter anderem auf Sylt zu Wohlstand gekommen. Seit 20 Jahren also gibt es die Brigitte Spieler Stiftung schon. Als die Stiftungsgründerin im Alter von 72 Jahren ihrer Krebserkrankung erlag, übernahm Imke Mahn ohne zu zögern das Ruder. Dem ursprünglichen Stiftungszweck bleibt sie treu: So greift sie unter anderem Vereinen wie dem Familienhafen Hamburg oder der Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg unter die Arme. Imke Mahn unterstützt außerdem die Stiftung Mammazentrum. „Für diese Einrichtung, die unter anderem erwachsene Krebspatientinnen im Alltag begleitet, habe ich den Stiftungszweck erweitert. Ich bin mir sicher, meiner Mutter hätte das gefallen.“
Gegründet 2025
Detmar und Wilma Reinecke Stiftung
Casjen Reinecke lebt in einem Rotklinkerbau der Fritz-Schumacher-Ära in Barmbek-Nord – einem Haus, das inzwischen unter Denkmalschutz steht. Für den 66-Jährigen ist der respektvolle Umgang mit Ressourcen selbstverständlich. Viele seiner Möbel begleiten ihn seit Jahrzehnten: ein IKEA-Bücherregal aus der ersten Wohnung oder ein Teakholztisch aus den 1960er-Jahren. „Alles funktioniert und sieht gut aus. Warum sollte ich etwas ersetzen?“, sagt er.
Kleine Dinge wertschätzen, das Geld sinnvoll investieren – aus dieser Haltung heraus gründete Casjen Reinecke 2025, im Jubiläumsjahr der Haspa Hamburg Stiftung, die nach seinen Eltern benannte Detmar und Wilma Reinecke Stiftung. Mit ihr unterstützt er Projekte, an denen Geschichte sichtbar wird. „Meine Eltern sind früher mit mir durch Deutschland und angrenzende Länder gereist, wir haben Burgen, Schlösser, Museen sowie Kirchen besichtigt. Deshalb unterstütze ich mit meiner Stiftung unter anderem den Verein für Denkmalschutz in Hamburg und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz“, erzählt er. Außerdem Einrichtungen wie die Stiftung Hamburg Maritim. „Mein Vater hatte einen kleinen Motorsegler, und wir haben viel Zeit auf dem Wasser verbracht. Das ist meine zweite Leidenschaft“, so der Stifter. Daher fördert er auch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger.
Von Grund auf bescheiden
Reineckes Vater war ein Elektriker aus Bremen und hat später in einem Hamburger Elektrounternehmen Karriere gemacht. Die Mutter arbeitete als technische Zeichnerin bei einemFlugzeughersteller. Trotz solider Einkommen lebte die Familie sparsam und baute so ein kleines Vermögen auf, das den Sohn finanziell unabhängig machte. An seinem Lebensstil ändert das jedoch wenig. Reinecke fährt am liebsten mit dem Rad in den Urlaub, besucht gerne Gutshöfe im Osten Deutschlands. Als er 2025 eine Stiftung gründete, war für ihn klar, dass er sein Geld gut verwaltet wissen wollte. „Meine Familie war immer bei der Haspa – dieses Vertrauen habe ich übernommen“, erzählt er.
Als seine Mutter verstarb, lud ihn ein Freund zu Weihnachten ein. „Da wurde mir wieder bewusst, wie wichtig mir meine Freunde sind.“ Deshalb unterstützt Casjen Reinecke die Kinder seiner Freunde auf ihrem Bildungsweg, und er hat in seinem Testament festgelegt, dass nach seinem Tod zunächst enge Freunde bedacht werden. Der verbleibende Teil fließt in die Detmar und Wilma Reinecke Stiftung – und damit in Denkmäler und Orte, an denen Geschichten und Erinnerungen weiterleben.