Familie Wagenmann Stiftung
Das Elefanten-Prinzip
Ann-Christin Wagenmann macht sich stark für Gleichberechtigung. Über ihre Familie Wagenmann Stiftung unterstützt sie junge Frauen auf ihrem Weg in technische Berufe, Führungspositionen und in ein selbstbestimmtes Leben.
»Ich wollte keine Männer kopieren. Ich wollte zeigen, dass wir Frauen anders sind und es anders machen.«
Ann-Christin Wagenmann
Der Moment, in dem Ann-Christin Wagenmanns Augen zu leuchten beginnen, ist nicht der, in dem sie von ihrer Kindheit in Stuttgart erzählt oder von der Alster in ihrer Wahlheimat Hamburg. Sie strahlt, wenn sie sich an das goldene Licht über der Savanne erinnert. Oder an die Elefantenherde, die sich unter einem azurblauen Himmel auf den Weg zur Wasserstelle machte. „Diese Tiere haben mich mehr über Führung gelehrt als jedes Business-Seminar“, sagt sie und lacht. „Vor allem die Leitkuh hat es mir angetan. Die Matriarchin trifft ihre Entscheidungen immer zum Wohl aller. Sie sorgt für gute Gruppendynamik und geht zielgerichtet mutig voran.“
Von der Savanne in die Chefetage
Es ist dieses Prinzip der Führung durch Fürsorge, das Ann-Christin Wagenmanns Leben prägt – und das sich auch in der Familie Wagenmann Stiftung widerspiegelt. Viele Jahre lebte die Wirtschaftswissenschaftlerin als Geschäftsführerin bei Beiersdorf in Durban, verbrachte ihre Freizeit gerne in Nationalparks und beobachtete Elefanten. Als sie 2013 die Stiftung gründete, galt ihr Engagement zunächst dem Schutz bedrohter Wildtiere. Zugleich legte sie einen Schwerpunkt auf Bildungschancen für junge südafrikanische Mütter, indem sie ihnen eine Ausbildung zur Rangerin ermöglichte. Diese Frauen geben ihr Wissen heute an Schulen weiter. Inzwischen hat Ann-Christin Wagenmann ihr Engagement auf Frauen in Deutschland ausgeweitet.
Schließlich weiß sie aus eigener Erfahrung, wie sehr Frauen Unterstützung brauchen. Als sie Architektur studieren wollte, riet der Vater ihr ab. „Du bleibst eine bessere technische Zeichnerin“, warnte er, das Frauenbild der 1960er-Jahre vor Augen. Ann-Christin Wagenmann studierte trotzdem und entschied sich für Wirtschaftswissenschaften, als eine von drei Frauen unter 40 Studierenden. Nach dem Abschluss zog sie nach Kapstadt, das Gehalt, das sie in Deutschland als Frau hätte verdienen können, war ihr zu gering. Auch in der männerdominierten Wirtschaft Afrikas blieb sie eine Ausnahmeerscheinung. „Die Gesellschaft war nicht nur von Apartheid geprägt, sondern auch zutiefst chauvinistisch“, erinnert sie sich. „Also musste ich kämpfen – aber auf meine Art.“
V. l. n. r.: Ann-Christin Wagenmann und Wiebke Pomplun sowie
Friederike Fechner von proTechnicale suchen stets den Austausch
Foto: Marc Carrena, proTechnicale
»Die jungen Frauen wollen von den älteren lernen. Und ich erfahre im Gegenzug, was die junge Generation beschäftigt.«
Ann-Christin Wagenmann
Die Karrierefrau trug Kleider statt Hosenanzüge. „Ich wollte keine Männer kopieren. Ich wollte zeigen, dass wir Frauen anders sind und es anders machen.“ Anstatt sich über strukturelle Ungleichheiten wie schlechtere Bezahlung zu ärgern, handelte sie. „Das kannte ich vom Skifahren mit meinen beiden Brüdern. Ich wusste: Wenn ich etwas verändern will, muss ich überzeugen, es besser machen. Die Skirennen gewann ich oft.“
Als Corporate Vice President bei Beiersdorf stellte sie zahlreiche Frauen ein und setzte sich für ein besseres Gehalt und Mutterschutz ein. „In meinem Team hatte ich irgendwann eine Frauenquote von etwa 75 Prozent, weil sich die Frauen als die besseren erwiesen. Dass es nicht 100 Prozent waren, liegt daran, dass gemischte Teams besonders erfolgreich zusammenarbeiten“, sagt sie.
Voneinander lernen
Besonders am Herzen liegt ihr das Hamburger Bildungsprogramm proTechnicale Classic, das junge Frauen für MINT-Studiengänge begeistert, also für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Diesen Teil des Programms unterstützt ihre Stiftung – mit Mentoring, Kamingesprächen und, wenn nötig, auch finanzieller Hilfe für Kurse zur Persönlichkeitsentwicklung. In diesem Zusammenhang hält Wagenmann regelmäßig Kamingespräche ab: persönliche Treffen, in denen sie offen über Selbstwert, Sicherheit und das Meistern schwieriger Zeiten spricht. „Die jungen Frauen wollen von den älteren lernen. Und ich erfahre im Gegenzug, was die junge Generation beschäftigt“, schätzt sie den gegenseitigen Austausch.
Immer auf Lösungen bedacht
Besonders stolz ist sie auf eine Alumna, die inzwischen Physik an der ETH Zürich studiert. „Das finde ich einfach großartig.“ Eine andere junge Frau, die sie eng als Mentorin begleitete, wurde später Geschäftsführerin bei proTechnicale. Friederike Fechner bekam ein Kind und verlor 2025 einen wichtigen Sponsor. „‚Muss ich jetzt entlassen?‘, fragte sie mich. Ich sagte: ‚Nein. Du trägst Verantwortung – für dein Team von jungen Frauen. Deshalb müssen wir andere Wege finden.‘“ Ihre Stiftung sprang ein, das Programm lief weiter, und sie verhalf weiteren Frauen zu Chancen, die sie sonst nicht gehabt hätten.
Auch als langjähriges Mitglied des Netzwerks Soroptimist International engagiert sie sich seit Jahrzehnten mit Stipendien und persönlicher Beratung für Frauen und Mädchen. Etwa für Abiturientinnen, die ein technisches Studium aufnehmen wollen. Der Fokus: gute Ausbildung, Gerechtigkeit, Frauenförderung, internationale Freundschaft – und: keine Gewalt an Frauen. „Wir machen nicht viel Lärm nach außen, aber wir tun etwas.“
Ein Prinzip, das auch privat trägt
Privat lebt Ann-Christin Wagenmann ebenfalls ihr Elefanten-Prinzip aus Sanftheit, Schutz und Stärke. Zu dem Familientreffen, das sie vor einem Jahr organisierte, kamen 31 Personen: Nichten, Neffen, deren Partner, Kinder. Sie mietete ein Hotel in München mit Schwimmbad, plante Spaziergänge im Englischen Garten und lud alle ein. „Ich habe keine eigenen Kinder. Aber mir ist immer wichtig, dass ich das, was ich habe – finanzielle Mittel, Wissen, Verbindungen –, auch weitergebe.“ Dass alle zusammenkommen und auf diese Weise das familiäre Band gestärkt wird, Freundschaften gepflegt werden, gefällt allen. „Meine jüngste Nichte wollte nach dem letzten Treffen direkt das nächste planen.“
Ann-Christin Wagenmann führt ihre Stiftung heute engagiert weiter. Eine Schwester und eine Patentochter werden die Stiftungsarbeit irgendwann in ihrem Sinne fortsetzen, und es bleibt viel zu tun. Denn trotz aller Fortschritte werden Frauen noch immer strukturell benachteiligt. Deshalb geht Ann-Christin Wagenmann weiter ihren Weg: für die Gemeinschaft und die nächste Generation. „Wer Frauen stärkt, stärkt die Gesellschaft“, sagt sie – und lebt es vor.
Fit für die Zukunft:
die Abschlussklasse des
Jahrgangs 2025 von
proTechnicale Classic
Foto: Marc Carrena, proTechnicale